Upekkha (das Erfahren des Gleichmutes, nicht anhaften)

Ich möchte dir eine Geschichte zum Thema Upekkha erzählen. Bei uns auf der Treppe vor dem Haus steht seit Jahr und Tag eine weiße Laterne, mit einem Engel und einer LED Kerze darin. Ich habe zu Zeiten, in denen ich noch den Studiobetrieb von Dieyogamieze offen hatte, diese Laterne immer vor Kursbeginn angezündet und nachdem alle gegangen waren ausgemacht. Diese Laterne ist für mich ein Symbol der liebevollen Einladung herein zu kommen, um sein Licht strahlen zu lassen. Es waren auch schon ganz liebe Geschenke darin verborgen, die mir Teilnehmer dort hinterlassen haben. So steht also diese Laterne auf unserer Treppe. Eines Nachmittags, vor nicht allzu langer Zeit, komme ich nach der Arbeit nach Hause und wundere mich, warum die Laterne nicht an ihrem Platz steht. Erst dachte ich mir O.K. vielleicht hat sie mein Mann reingeholt, weil er die Treppe gefegt hat. Aber im Hausflur stand keine Laterne. Ich frage meinen Mann, ob er wüsste wo unsere Laterne sei. Er reagierte erstaunt und meinte, dass sie wohl jemand gestohlen oder sie einfach ins Gebüsch geworfen hätte.

Das löste in mir eine tiefe Traurigkeit und Wut aus. Ja, ich war wütend und konnte

nicht verstehen warum jemand so etwas tut. Warum nimmt jemand meine Laterne?

Jeden Tag den ich nach Hause kam und den leeren Platz an der Tür sah ließ mich

noch trauriger werden.

Doch dann geschah etwas mit mir. Ich betrachtete die Treppe und stellte mir vor,

dass vielleicht jemand anderes ein Licht in der Dunkelheit brauchte und deshalb die

Laterne mitgenommen hatte. Ich löste mich aus dieser Traurigkeit, änderte meinen

Blickwinkel und betrachtete die leere Treppe liebevoll und mit einem tiefen Gefühl

der Verbundenheit.

Mein Mitgefühl und meine liebevolle Güte wuchsen von Tag zu

Tag und ich freute mich darüber, dass der Mensch der meinen Laterne

mitgenommen hatte, diese vielleicht viel mehr benötigte als ich.

Dieser Zustand des Loslassens, der liebevollen Annahme und des gütigen

Blickes ist die Haltung der Brahmavihara.

„Brahma“ bedeutet „göttlich“, „bedingungslos“ und „vihara“ steht für „geistiger

Zustand“.


Brahmavihara bezeichnet die vier grenzenlosen Zustände, die uns als Orientierung

dienen. Sie sollen uns stets daran erinnern, wie unsere geistig Haltung Menschen

gegenüber ist.

Es geht darum Situationen anzunehmen, ohne jedwede Bewertung. Die vier

grenzenlose Zustände, stehen alle miteinander in Beziehung. Diese Zustände sind:


· Liebe/Freundschaft/liebevolle Güte (metta)

· Gelassenheit/Gleichmut (uppekka)

· Mitgefühl (karuna)

· Freude/Mitfreude (mudita)


Die Lehre der Brahmavihara begleitet uns auf unserer spirituellen Reise.

Dieser Geisteszustand erlaubt uns, auf Situationen, zwischenmenschliche Verhaltensweisen und Nöte des Lebens mit Gelassenheit zu reagieren. Ein ausgeglichenes Herz empfindet Freude, ohne sich daran zu klammern. Diese Akzeptanz, birgt inneren Frieden und Freiheit – in allem Angenehmen und Unangenehmen. Wenn wir lernen uns für die Wahrheit zu öffnen, dass wir nur sehr wenig kontrollieren können, dann lernen wir auch loszulassen.

Nachdem ich mich mit meinen Gefühlen intensiv auseinander gesetzt hatte, geschah etwas Großartiges. Eines Morgens, als ich mein Fahrrad gerade aus dem Flur hinausschob und die Türe schließen wollte, sah ich sie wieder auf der Treppe stehen, meine Laterne, mit Engel und Kerze. Ich schenkte mir und dem Universum ein Lächeln und wurde von einer tiefen Dankbarkeit erfüllt. Denn wer sich im loslassen übt, Mitgefühl, liebevolle Güte und Gelassenheit in sein Leben lässt, der ist reich beschenkt, denn das Universum hält vieles für uns bereit.

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