Atem: Der Hauch des Lebens

Aktualisiert: 31. Jan.


Atmen, banal im täglichen "to do".

Einatmen, Ausatmen, warum darüber nachdenken?

Der Atem ist etwas existenzielles. Wer nicht atmet, der lebt nicht, denn unser Körper unsere Organe werden nicht mit Sauerstroff versorgt. Ohne Atem kein Leben.

Aber wie atme ich?

Anatomisch ist es ganz simpel:

Atmen ist für viele Menschen unbewusst.

Wer spricht über die Atmung: „Hast du heute schon richtig geatmet?“

Jeder Atemzug beeinflusst jeden Augenblick unseres Seins.

Richtiges Atmen entscheidet über unsere Lebensqualität, denn mit dem richtigen Atem können wir unsere Gesundheit verbessern, unseren Geist zur Ruhe und Klarheit bringen.


Etwa 12 bis 15 Atemzüge macht ein erwachsener Mensch in Ruhe pro Minute. Mit jedem Atemzug wird der Körper mit „frischer“ sauerstoffreicher Luft versorgt, während er im Gegenzug „verbrauchte“ kohlendioxidreiche Luft abgibt.

Mit dem Einatmen gelangt die Luft durch den Mund oder durch die Nase über die Luftröhre in die Luftwege (Bronchien) der Lunge. Bei der Nasenatmung wird die eingeatmete Luft durch die Härchen und Schleimhäute in der Nase gereinigt, angefeuchtet und angewärmt. In der Lunge wird die Luft über die feinste Verästelungen der Bronchien bis zu den Lungenbläschen geleitet, wo der lebenswichtige Austausch der Atemgase, Sauerstoff und Kohlendioxid stattfindet.

Was bedeutete richtiges Atmen und gibt es "Die" richtige Atmung?

Einige Menschen atmen häufig über den Mund, was sich negativ auf die körperliche Verfassung auswirkt. Über die Mundatmung verliert der Körper bis zu 40% mehr Wasser. Schadstoffe, Krankheitserreger oder kalte Luft fließen ungehindert in die Lunge und verursachen Schäden.

Anatomisch hat die Natur uns dafür die Nase angelegt. Denn wenn wir über die Nase atmen, werden wir perfekt mit Sauerstoff versorgt. Über den Nasenrachenraum und die Nasennebenhöhlen findet der Luftstrom seinen Weg in die Lungen. Nasenrachenraum und die Nasennebenhöhlen filtern mit ihren Härchen alles was nicht seinen Weg in die Lunge finden darf, zusätzlich befeuchten und erwärmen sie die Luft, umso die Lunge zu schonen. Zusätzlich dient die Nasenschleimhaut als erste Barriere unserer Immunabwehr. Der Schleim hält Pollen, Viren oder Bakterien zurück, somit können diese nicht bis in die Lunge vordringen.

All diese Erkenntnisse erscheinen uns banal, aber wie atme ich jetzt richtig?

Die Atmung ist eine autonome Funktion, jeder kann seinen Atemrhythmus bestimmen, indem wir unseren Atem bewusst lenken. Über verschiedene Techniken, die Art, die Frequenz können wir unseren Atmen regulieren und ihn aktiv beeinflussen.

Entscheidend ist, zu praktizieren. Wer täglich praktiziert steigert seine Lebensenergie, Immunabwehr, Kreislaufregulation und fördert den Stressabbau. Denn mit dem Atem kommt die Geistige Klarheit in unser Leben.

Im Anhang habe ich einige kleine Atemübungen aufgeführt die du selbstständig praktizieren kannst.

Das alles sind keine neuen Wissenschaftlichen Erkenntnisse. In den Yoga Sutras von Patanjali steht dies schon seit Jahrtausenden beschrieben. Hier habe ich eine kurze Zusammenfassung vorbereitet.

Im Yoga Sutra beschreibt Patanjali die Stufen oder Ebenen des Yoga, die als Ashtanga (Anga = Glied) oder 8-Glieder bekannt sind. Im vierten Anga befasst sich Patanjali mit Pranayama, dieses kann man wörtlich mit „Verwalten der Lebensenergie“ übersetzen.

Pranayama ist eine exakte Wissenschaft.

Patanjali Yoga Sutra

2.49 तस्मिन्सतिश्वासप्रश्वास्योर्गतिविच्छेदःप्राणायामः tasmin sati śvāsa-praśvāsyor-gati-vicchedaḥ prāṇāyāmaḥ „ Wenn die Festigkeit in Stellung oder Sitz (Asana) erreicht ist, folgt die Atemkontrolle (Pranayama) : Dann kommt die Beherrschung der Lebensenergie über Einatmung, Ausatmung und den Zwischenraum.“

Vorab beschreibt Patanjali die beruhigte Körperhaltung, diese gilt es zu meistern, bevor der Atem zu kontrollieren sein.

Patanjali Yoga Sutra

2.46 स्थिरसुखमासनम् :

sthira-sukham-āsanam

„Die Körperhaltung sollte stabil und angenehm sein.“ „Der Sitz ist fest und leicht.“

Es geht bei dem Begriff Pranayama um die Beherrschung der Kraft hinter dem Atem, dem Prana.

Prana = Energie

Yama = Selbstkontrolle, Erhaltung

Es ist aber noch viel tiefgründiger, denn Patanjali sieht den Atem nur als die äußere Manifestation des Prana,

Pranayama meint zum einen, die Atemübungen des HathaYoga, jedoch geht es Patanjali hier um eine Meditationsanleitung über die Kontrolle des Atems. Der Atem gilt im Yoga als die Verbindung zwischen Körper und Geist.

Über den Atem kann man das Prana regulieren, was wiederum Auswirkungen auf den Geist hat. In der Hatha Praxis wird zunächst mit dem Bewusstsein die Ebene des Körpers entdecken und im zweiten Schritt erlernt man diese zu beherrschen.

Mit der Zeit dehnt sich der Geist immer weiter aus und der Atem rückt ins Zentrum der Yogapraxis. Je mehr man sich mit dem Atem befasst, desto wichtiger werden die einzelnen Phasen. Hier geht es vor allem um das Kontrollieren des Ausatmens und dem Ausdehnen der Atempausen.

Der Yogi der seinen Atem kontrolliert, kontrolliert damit sein Prana. Er versucht in seinem Körper die Gesamtheit des kosmischen Lebens zu verwirklichen und Vollkommenheit zu erreichen.


Atemübungen:

Tiefe Bauchatmung:


Setze Dich aufrecht in einen Sitz deiner Wahl. Gebe deine Hände auf den unteren Bauch Atme 3-4 Sekunden lang durch die Nase ein, der Bauch geht dabei nach vorne. Atme 3-4 Sekunden lang durch die Nase aus, der Bauch geht dabei hinein. Sage dir gedanklich:

Einatmen

Ausatmen

Wiederhole dies etwa 10 Atemzüge lang. Diese Übung kannst du morgens nach dem Aufwachen im Bett praktizieren oder auf der Arbeit in der Pause, wann immer du einen Energieschub brauchst, praktiziere.


Durch tiefe Bauchatmung wird mehr Sauerstoff aufgenommen, es kommt mehr Energie zum Gehirn. Die Bauchorgane und das Herz bekommen eine wunderbare Massage.


Ujjayi Atem

Komme in einem aufrechten und bequemen Sitz deiner Wahl, deine Wirbelsäule ist aufgerichtet und deine Schultern fließen nach hinten unten Richtung Gesäß.

Atme durch beide Nasenlöcher ruhig und gleichmäßig ein.

Stell dir vor, du hauchst einen Spiegel an, in der Ujjayi-Atmung machst du genau das, nur mit geschlossenem Mund. Es entsteht ein feines Rauschen in deiner Kehle. Versuche das Ganze zuerst in der Ausatmung und wenn du damit etwas vertraut bist, atme auch in der Einatmung mit dem Rauschen (Meeresrauschen) weiter. Im nächsten Schritt lasse deine Atmung dann entspannt länger und feiner werden. Anatomisch verengst du deine Stimmritzen, dadurch kannst du deine Luft besser dosieren Etwas ganz ähnliches passiert auch beim Singen oder Flüstern. Durch das Rauschen kommst du in deiner Präsenz an.

Ujjayi Atmung macht den Kopf frei und beruhigt den Geist. Ujjayi Pranayama erhöht das Lungenvolumen und kann sich somit positiv bei Asthma, Lungenkrankheiten und Verdauungsbeschwerden auswirken.

Übersetzt bedeutet Ujjayi „siegreich“ und damit ist gemeint, dass wir die Kontrolle über unseren Atem gewinnen bzw. zurückerobern.


Bhramari Atmung – Summen

Sitze gerade und aufrecht, deine Wirbelsäule ist lang und deine Schultern fließen nach hinten unten Richtung Gesäß.

Atme tief durch die Nase ein, mit deinem Ausatem (über die Nase) beginne in der Kehle zu summen.

Deine Lippen leicht geöffnet beginnen leicht zu vibrieren. Durch das Summen entsteht eine starke Vibration in deinem Körper. Die Vibration bewirkt, dass das Gewebe besser durchblutet wird, wodurch beim Üben oft eine angenehme Wärme und ein leichtes Kribbeln wahrgenommen wird.

Mit dem Bienensummen Atem entspannst du dich, Wut, Angst und Stress fallen von Dir ab. Bei Hitze und Kopfschmerzen kann Dir die Bienenatmung helfen.

Bhramari bedeutet soviel wie „Hummel oder Bienensummen“


Nadi Shodana/Anuloma Viloma – die Wechselatmung

Komme in einen aufrechten bequemen stabilen Sitz deiner Wahl, lasse deine Schultern nach hinten unten Richtung Gesäß fließen.

Nimm deine dominate Hand und lege den Mittelfinger und Zeigefinger in deine Handmitte. (Vishnu-Mudra) Mit dem Daumen und dem Ringfinger verschließen wir abwechselnd die Nasenlöcher. Falls dir der Arm zu schwer wird, kannst du ihn gerne mit der linken Hand unterstützen.

Begine mit der rechten Seite.

Atme tief ein und aus.

Schließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch kurz oberhalb des Nasenflügels, atme zügig links 4 Sekunden lang ein.


Verschließe mit dem Ringfinger das linke Nasenloch, halte die Luft 4 Sekunden lang an. Öffne das rechte Nasenloch, atme 8 Sekunden lang aus.

Links 4 Sekunden lang einatmen, 4 Sekunden anhalten, 8 Sekunden rechts ausatmen. Das war eine Runde.

Du kannst je nach Übung die Frequenzen auf 4-16-8 oder 5-20-10 ausdehnen.

Die Wechselatmung hilft, die Lungenkapazität zu erhöhen, besonders die Perioden des Atem-Anhaltens sind ein gutes Training für Herz und Kreislauf.

Wechselatmung hilft bei Allergien, Heuschnupfen und Asthma und wirkt vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten. Die Wechselatmung wirkt ausgleichend und harmonisierend auf alle Körpersysteme.


Viel Spass beim Praktizieren

OM Shanti Karin

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